Wir glauben längst nicht alles - und wir haben auch nicht auf jede Frage eine einfache Antwort. Uns ist es wichtig, die Welt nicht nur "Schwarz-Weiß" zu sehen, sondern auch Zwischentöne, Schattierungen und Grautöne wahrzunehmen und wertzuschätzen. Weil wir durch das Leben, Wirken und Verkündigen von Jesus Christus um die Möglichkeit von Vergebung und erneuerter Beziehung zu Gott und Menschen wissen, sehnen wir uns nach einer "Kultur der Fehlerfreundlichkeit" und versuchen sie, so gut es uns möglich ist, in unserer Gemeinde zu leben.
Ein weiter Horizont ist uns wichtig. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist weltweit überall gleich verfasst. Als United Methodist Church (UMC) hat sie über 10 Millionen Mitglieder vor allem in Afrika, Nord- und Südamerika und Europa (hier im Verhältnis kleine Zahlen) und ist damit eine der größten Evangelischen Kirchen der Welt. Die internationale Verbundenheit ist für uns Korrektiv und Herausforderung zugleich um über unsere mitteleuropäische Perspektive hinaus das Leben wahrzunehmen und unser Handeln motivieren zu lassen.
Durch die Entstehung als verfasste Kirche im Anschluss an den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (Baltimore/USA 1784) ist zu erklären, dass demokratische Prinzipien in der EmK eine zentrale Rolle spielen. Alle wesentlichen Entscheidungen werden nicht von Einzelpersonen, sondern von Konferenzen gefällt (Bezirkskonferenz vor Ort, jährliche Konferenz in Süddeutschland, Generalkonferenz weltweit), die sich als verbundenes Netzwerk verstehen. Intern nennen wir dieses System gerne "connexio" (englisch connection / grob mit "Verbundenheit" zu übersetzen).
John Wesley (1703-1791/England), mit dessen Person die Entstehungsgeschichte der methodistischen Bewegung eng verbunden ist, hat eine Sicht von Glauben entwickelt, die "Quadrilateral" (Viereck / vierseitige Pyramide) genannt unsere Perspektive als EmK prägt. Alle Aussagen über Glauben prüfen wir an vier Kriterien:
- Schrift - die Bibel ist die "normative" Grundlage unseres Glaubens, der Lehre, der Verkündigung und der Ethik. Wir erkennen in ihr die Selbstoffenbarung Gottes.
- Tradition - die Deutungen der "Alten Kirche" einerseits (Wesley) - für viele aber auch das, was wir von den Menschen übernommen haben, die uns in unserem Glauben geprägt haben - durch die uns Gott vermittelt wurde, und damit auch positiv erlebte Gemeinde- und Kirchentraditionen.
Vernunft - bei uns gibt niemand "an der Garderobe den Verstand" ab - wir gehen davon aus, dass sich naturwissenschaftliche, psychologische oder soziologische Erkenntnisse mit der christlichen Weltsicht nicht unvereinbar gegenüber stehen, sondern sich gegenseitig ergänzen und miteinander ins Gespräch gebracht und fruchtbar gemacht werden sollten.- Erfahrung - der persönliche Glaube der Einzelnen ist entscheidend. Das etwas in die Jahre gekommene Wort "Herzensfrömmigkeit" kann durchaus helfen zu verstehen worum es hier geht. Tiefgründige geistliche Lieder (gerade auch mit zeitgemäßen Melodien) und freies Gebet haben immer zum Methodismus gehört und tun dies bis heute.



Unser Glaube
