Dinner4U

Mittagessen für alle

Das Schaufenster der EmK Entringen

Es ist Donnerstagvormittag in der Schulzeit - meist so um 9:00 Uhr. In der Friedenskirche rührt sich etwas - das Kochteam rückt an. Manchmal sind es Susi und Anne - manchmal Jörg oder Rolf und Gise - manchmal das Frauenfrühstück oder in ganz wechselnden Zusammensetzungen. Draußen vor der Tür steht die Hinweistafel, damit alle Vorbeikommenden wissen, hier bekomme ich heute etwas zu essen.

Auch wenn es falsch rum erscheint - meist geht es mit dem Nachtisch los. Gekocht, gemischt oder was auch immer wird er schließlich in einzelnen Glasschälchen portioniert und fachgerecht mit Folie abgedeckt in den Monsterkühlschrank im Stuhllager verfrachtet. Dann werden unter Tränen Zwiebeln zerkleinert, verschiedenes angebraten, Soßen geköchelt - schnippelt, gerührt - was auch immer der von Susi zusammengestellte Speiseplan vorsieht und verlangt. Wenn Männer kochen ertönt flotte Musik - wenn die Frauen dran sind, stehen dafür Brezeln oder ein gemütlicher Kaffee am Rand.

Dann rücken um etwa 10:00 Uhr Reinhold, Walter, Hermann und Bernhard an. Wände werden verrückt, Tische und Stühle in der Standardaufstellung von 60 Plätzen vorbereitet. Die Warmhaltegefäße und Heizplatten kommen aus den Schränken und schon sieht der Nebenraum sehr gastfreundlich aus.

Gleichzeitig in der Küche geht es in die heiße Phase. Der große Gasherd mit seinen fünf Flammen wird oft bis auf den letzten Platz mit Töpfen belegt. Oder der Gashockerkocher mit seinem riesigen Topf ist in Betrieb, in dem mühelos 3 - 5 Kilo Pasta auf einmal gegart werden kann. Manchmal steht die Doppelkammerfriteuse da, oder die Crepesplatten oder der große Pizzabackofen für 8-10 Bleche auf einmal, ...

Wer dann die Küche betritt, kann durchaus beschlagene Brillengläser abbekommen - mindestens aber schlägt einem eine Hitzewelle - auch mitten im Winter - entgegen. Salat wird geputzt etwa 10 Köpfe sind keine Seltenheit.

Dann geht es zum Endspurt. Lothar holt die Getränke aus dem Keller. Bernhard sortiert das Vorlegebesteck. Andrea oder Lothar schmückt die Tische. Die Kasse wird aufgestellt und sorgfältig auf einem Vordruck notiert, was es an diesem Tag zu essen gibt.

12:00 Uhr - Langsamer Start - aber dann gewaltig

Das Essen ist fertig. Aber noch geht alles einen ruhigen Gang. Einige erste Erwachsene tauchen auf, versorgen sich mit Salat und wonach ihnen eben ist und essen gemütlich miteinander. Dann so ab 12:30 Uhr tauchen erste Schüler auf und kurz vor 13:00 Uhr sind auf einmal haufenweise Familien mit kleinen Kindern da. Erst wird gegessen, aber dann geht es raus auf die schräge Rampe im Vorraum und manchmal geht es richtig laut zur Sache. Gleichzeitig rollen die Schülerzüge an und auch die Grundschüler tauchen auf. Einige haben ihr Geld abgezählt dabei - 2 € 10 mit Getränk. Andere kramen ganz tief in Hosentaschen. Der eine oder andere möchte unbedingt als Rausgeld 20 cent Münzen - klar zum Füttern des Automaten in der Kirchstraße. Die selben Verdächtigen wie jede Woche melden nur kurz - Mama zahlt nachher. Und im Lauf der Zeit kennen wir unsere Pappenheimer - das geht natürlich in Ordnung.

Dann geht es zu Bernhard an die Essensausgabe. Immer gibt es eine vegetarische Variante - oft auch eine Variante einfach ohne Schweinefleisch für unsere moslemischen Gäste. Eigentlich immer findet sich etwas für jeden. Wie gut es schmeckt lässt sich daran ermessen, wie oft nachgeschöpft wird.

 

Nur selten, wie hier im Bild wenn es Crepes oder Hot Dogs oder so was gibt, bilden sich Schlangen. Meist kann der Hunger sehr rasch gestillt werden. Was draußen kaum wahrgenommen wird: drin in der Küche geht die Arbeit weiter. Über zwei Stunden wird nachgekocht - immer frisch nachgereicht - und das Spülteam rückt bereits an und übernimmt langsam die Küche.

Und so sind es meist 70-100 Gäste, die in der Zeit bis 14:00 Uhr zum Essen vorbeikommen. Kollegen genießen es, miteinander am Tisch zu sitzen und in der Mittagspause zu reden. Junge Mütter sitzen zusammen, während die Kleinen draußen die Rollstuhl- und Kindenwagenrampe weiter als Rutschbahn benutzen oder im "Aquarium" - dem Eltern-Kind-Abteil für die Gottesdienste verschwinden. Smalltalk - aber auch längere Gespräche - wie geht's, gibt's im Job was Neues - wie sieht es mit der Schulwahl aus?

Dazwischen vor allem um 13:30 und 14:00 kommen noch die Schülerzüge aus Tübingen und etliche Entringer Schüler aus weiterführenden Schulen tauchen auf.

Seit 14 Jahren gibt es das Dinner4U nun. Wie lange noch? Wir wissen es nicht. Nebenan am Bahnhof wird eine neue Schule gebaut. Ob wir dann noch genügend Personen haben, die mit uns gemeinsam anpacken, wissen wir nicht. Wenn jemand Zeit und Lust hat, mit dabei zu sein - einfach das Team ansprechen. Die Atmosphäre im Team ist Klasse. Und auch die Lebensmittelkontrolle (früher WKD) hat uns schon mehrfach bestätigt, dass wir einen guten Job machen.

Meist ist um 15:30 Uhr alles wieder in Ordnung - nur je nach Mahlzeit - hängt noch der Geruch in den Räumen, so dass der abendliche Posaunenchor auch noch etwas davon hat - und sich wohl mancher Bläser schon gefragt hat, warum er Donnerstagabends auf einmal wieder hungrig wird.