Jesus Christus spricht: „Meine Kraft ist in den Schwachen (der Schwachheit) mächtig.“
Der sonst so vollmächtige Völkerapostel Paulus, dessen Wirken maßgebliche Impulse gab, um das Christentum in Kleinasien und Europa auszubreiten lässt im zweiten Korintherbrief ungewohnte Seiten an sich erkennen. Offen steht er zu seinem Ruf, ein genialer Briefschreiber, aber bei weitem kein so begabter Redner zu sein (10,7), der sich in der Gemeinde in Korinth wohl verbreitet hatte. Noch dramatischer beschreibt er ein immer wiederkehrendes Leiden als „Pfahl im Fleisch“, etwas mit dem ein „Engel Satans“ ihn immer wieder schlägt. Was sich genau dahinter verbirgt, lässt sich nur erahnen, nicht mehr genau klären. Manche Ausleger gehen von Epilepsie aus, andere von einem Augenleiden. Wie dem auch sei – der sonst so starke Paulus kennt sich aus beim Thema „Schwachheit“.
Vermutlich sachgerechter als der Luthertext übersetzt die Neue Genfer Übersetzung „denn meine Kraft kommt gerade in der Schwachheit zur vollen Auswirkung.“ Diese gute Botschaft der Erfahrbarkeit der Kraft Christi gilt nicht nur „Schwachen“, sondern allen Menschen, gerade auch (wenn wir uns Paulus als Beispiel nehmen) den sonst oft so „Starken“ in ihren „Schwachheiten“.
Dabei geht es meines nicht in erster Linie um Schwächen oder gar dafür, dass wir für manche Sache „eine Schwäche haben“, sondern um Erfahrungen der Ohnmacht, des gebrochen Seins und der Tiefpunkte im Leben. Ich wünsche allen Lesern, dass die Beschäftigung mit der Jahreslosung hilft, sich mit eigener Schwachheit auseinanderzusetzen, sie auszuhalten und sich ihr zu stellen, ohne in Gedanken vorschnell den zweiten Schritt der Jahreslosung zu gehen und den Schwerpunkt auf die Kraft Gottes zu legen.
Jörg Finkbeiner




